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Kynologische
Diskussionstagung der Universität Hohenheim
Referent: Dr. Schober, Leipzig
Ein autonomes Reizbildungs- und
Erregungsleitungssystem reguliert den Rhythmus des
Herzens. Auch äußere Einflüsse wie psychische
Erregung, Blutveränderungen etc. können die
Herzaktion beeinflussen. Herzerkrankungen gibt es zu
etwa 2-5% bei Hunden, die unter 4 Jahre und zu etwa
20-50% bei denjenigen, die über 8 Jahre alt sind.
Die Herzerkrankungen können die Klappen,
entsprechende Gefäßstämme am Herzen, den
Herzbeutel und den Herzmuskel betreffen. Seltener
erkrankt primär das Erregungsleitungssystem des
Herzens. Man unterscheidet prinzipiell die
angeborenen von den erworbenen Herzerkrankungen. Es
gibt Klappenverengungen (= Stenosen), als
Missbildungen im Bereich der Semilunarklappen und
Gefäßanomalien an der Herzbasis als angeborene
Herzerkrankungen. Man kennt erworbene
Herzerkrankungen mit erblicher Komponente, die
sogenannten Rassendispositionen.
Herzmuskelerkrankungen (Kardiomyopathien) betreffen
dabei vorwiegend großrahmige Rassen und
degenerative Herzklappenerkrankungen (Endiokardiosen)
meist kleinere Rassen.
Symptome bei Herzerkrankungen sind mangelnde
Belastbarkeit, Umfallen nach Belastung, Husten, Müdigkeit
und Schwäche, Abnehmen von Körpermasse, Atemnot
und Bauchwasser. Die klinische Untersuchung sollte
in ruhiger Atmosphäre erfolgen. Hier sind z.B.
violette oder bläuliche Schleimhäute, schwacher
Puls, Herzrhythmusstörungen, Wasser in der Lunge,
Herzgeräusche oder gestaute Halsvenen
festzustellen. Beim EKG kann man die am Herzen
entstehenden elektrischen Signale von der Körperoberfläche
ableiten und aus aufgezeichneten Kurven
entsprechende Schlüsse ziehen. Das EKG ist jedoch
nur ein Puzzleteil im Diagnostikprofil. Manchmal ist
ein Langzeit-EKG erforderlich, z.B. bei Tieren, die
plötzlich umfallen. Bei mangelndem Hinweis auf
Epilepsie könnte eine Herzrhythmusstörung
dahinterstecken. Das Phonkardiogramm zeichnet den
Herzschall auf: Eine Spezialuntersuchung, die nicht
zum Routineprogramm gehört. Mit ihr kann man u.U.
mehr Geräusche aufnehmen, als das menschliche Ohr
beim Auskultieren hört. Die klassische
Untersuchungsmethode von Herz und Lunge ist das Röntgen.
Die Lunge wird stets miteinbezogen, da sie in
unmittelbarer Funktion zum Herzen steht. Röntgen
gibt Aufschluß über Durchblutung der Lunge,
Wasser, Tumoren, Folge von Traumen des Brustkorbes
und Herzformveränderungen. Für die eigentlich
Quantifizierung der Herzarbeit wird die
Echokardiograhie (Herzultraschall) eingesetzt. Sie
gestattet verläßliche Aussagen über die
Herzanatomie und -funktion. Eine besondere
Untersuchung ist die Doppler-Echokardiograhie, mit
deren Hilfe Blutflüsse dargestellt werden können.
So erhält der Arzt exakte Informationen zu
Herzdefekten, beispielsweise Aortenstenose. Ein
Herzkatheter wird bei seltenen, komplexen oder
unklaren Herzerkrankungen sowie vor Herzoperationen
eingesetzt.
In Deutschland ist die Aortenstenose die häufigste
unter den angeborenen Herzerkrankungen. Es handelt
sich dabei um eine Verengung des
Aortenklappenapparates. Sie kommt hierzulande vor
beim Boxer (vermutlich erblich), Golden Retriever
(vermutlich erblich), Bullterrier, Neufundländer
(nachgewiesen erblich), Deutschem Schäferhund,
Rottweiler u.a. Der Schweregrad kann sich bis zum
Ende des hundlichen Wachstums steigern, anschließend
erfolgt eine lange, stationäre Erkrankung. Je nach
Schweregrad zeigen die Tiere nicht immer Symptome,
was fatal ist, wenn der befallene Hund zur Zucht
eingesetzt wird und die Krankheit weitervererbt.
Klinische Symptome bei entsprechendem Schweregrad
der Aortenstenose: Vor allem mangelnde
Belastbarkeit, Umfallen bei oder nach Belastung,
Husten eher selten, Schwäche, Körpermasseabnahme,
Atemnot, Bauchwasser. In der Diagnostik stellt man
zunächst Herzgeräusche beim Auskultieren fest. Die
Geräuschquelle sollte per Ultraschall verifiziert
werden. Diagnostik im EKG: evtl. hohe Ausschläge,
Herzrhythmusstörung. Im Röntgenbild oft kaum Veränderungen,
erst in der Spätphase leichte Vergrößerung des
Herzens bzw. leichte Gefäßveränderungen. Um
diesen Defekt sicher zu diagnostizieren und von
anderen Herzdefekten abzugrenzen, ist
Echokardiograhie zwingend erforderlich. Hiermit
entdeckt man die Stelle des Defektes und erhält
Aufschluß über Schweregrad und Prognose. Die
Therapiemöglichkeiten sind begrenzt. Die Belastung
des Hundes sollte eingeschränkt werden. Manchmal
setzt man Betablocker ein oder "sprengt"
mit Ballonkatheter die Klappen. Der Vererbungsmodus
der Aortenstenose ist nicht bekannt. Zur Zeit werden
in Deutschland Anstrengungen unternommen, unter
Feldbedingungen beim Boxer die Heritabilität
(Erblichkeit) zu schätzen.
Eine zweite angeborene Herzerkrankung ist die
sogenannte Atriventrikularklappendysplasie, auch
AV-Klappendysplasie genannt. Es handelt sich um eine
Mißbildung von Mitral- und/oder Trikuspidalklappe.
Betroffen Rassen: Bullterrier, Deutscher Schäferhund,
Deutsche Dogge, Golden Retriever, Cavalier King
Charles u.a. Erblichkeit wird vermutet. Symptome:
Herzgeräusch, Umfallen Bewegungsunlust, Rhythmusstörungen,
Atemnot. Der Herzultraschall bringt sichere
Diagnose. Therapie: Nur begrenzte Möglichkeiten.
Verbreiteter als die AV-Klappendysplasie ist die
primäre Herzmuskelschwäche, die sogenannte
dilatative Kardiomyopathie. Die Erblichkeit ist
ungeklärt, es gibt jedoch Rassedispositionen.
Betroffen sind vorwiegend großrahmige, in 80% männliche
Hunde (Neufundländer, Deutscher Schäferhund,
Deutsche Dogge, Bernhardiner, Rottweiler,
Riesenschnauzer, Boxer, Irischer Wolfshund, auch
Cocker). Es handelt sich um eine erworbene
Erkrankung, die im Alter von 2-4 Jahren eine
Herzmuskelschwäche verursacht, dann mit 3-4 Jahren
manifest wird. Es gibt Sonderformen insofern, als
sich die Krankheitsverläufe bei den diversen Rassen
unterscheiden. Auch die Prognnose ist je nach Rasse
unterschiedlich. Die dilatative Kardiomyopathie ist
dadurch gekennzeichnet, daß sich der Herzmuskel
fehlentwickelt. Er dünnt im Lauf der Jahre aus und
kann nicht mehr effektiv pumpen, um genügende Blut
in Umlauf dazu bringen. Die Prognose ist beim
Riesenschnauzer, Irischen Wolfshund und Cocker verhältnismäßig
gut, bei Bernhardiner und Dogge schlecht, beim
Dobermann sehr schlecht. Symptome: Leistungsschwäche
bei mittelalten, vorwiegend männlichen Tieren.
Gewichtsabnahme, schneller Herzschlag. In
fortgeschrittenen Fällen: Atemnot und Wasserbauch,
auch Wasser in de Lunge. Später: Freßunlust. Die
Ursachen für die dilatative Kardiomyopathie sind
unbekannt. Diskutiert werden Virusinfektionen, Nährstoffmangel
(Taurin, Carnitin), Hormoneinfluß, Fehlleistung des
Immunsystems. Diagnostik: Röntgen, EKG,
Ultraschall. Therapie: Mehrere Herzmedikamente,
kochsalzarme Diät, Carnitin- und Tauringaben.
Eine andere erworbene Herzerkrankung mit spezieller
Rassedisposition ist die primäre
Herzklappenerkrankung, die sogenannte
Mitralklappenundichtigkeit (Endokardiose). Sie
betrifft Mittelalte bis alte Hunde vorwiegend
kleiner Rassen, aber auch den Cocker. Symptome:
Herzgeräusch (oft Zufallsbefund), Husten,
Leistungsschwäche, Bewegungsunlust, Atemnot. Es können
auch plötzliche Todesfälle auftreten. Ursachen:
Bei Cavalier und Teckel ist die Erblichkeit
nachgewiesen. Sonst auch Alterserkrankung.
Diagnostik: Röntgen, EKG, Ultraschall. Therapie:
Medikamente. Prognose: Gut. Die Tiere sterben selten
an Herzversagen. Manchmal muss jedoch euthanasiert
werden, weil der Husten unstillbar wird.
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