Was passiert bei einer
atopischen Dermatitis?
In den meisten Fällen der atopischen Dermatitis (AD) des
Hundes bildet der Organismus nach vorheriger
Sensibilisierung Antikörper vom Typ IgE (Immunglobulin E)
gegen sonst„normale“ Stoffe in der Umgebung,
beispielsweise gegen Blütenpollen, Hausstaubmilben,
Hautschuppen von Katzen etc.
Die Antikörper zirkulieren im Blut und haben eine
besondere Affinität für bestimmte Zellen im Gewebe (v.a.
Mastzellen), an deren Oberfläche sie sich binden.
Kommt es zu erneutem Kontakt mit dem Auslöser (Allergen),
werden die Antikörper vernetzt. Als Folge setzen
verschiedene Entzündungszellen bestimmte Inhaltsstoffe (Mediatoren)
frei, was zu Entzündung der Haut mit Gewebeschädigungen
und Juckreiz führt.
Dabei bietet die veränderte Haut ideale Lebensbedingungen
für Bakterien und Hefepilze, welche ihrerseits die Haut
ebenfalls schädigen und die Entzündung verstärken.
Die entzündlichen Veränderungen schaukeln sich hoch und
werden durch Kratzen, Lecken, Beißen etc. des Patienten
noch verstärkt.
Die Haut kann ihrer Aufgabe, eine Barriere gegen
eindringende Allergene zu bilden, nicht mehr nachkommen.
Je mehr Allergene aber eindringen, desto weiter kommt es
zu allergischen Reaktionen – und desto mehr neue Stoffe
in der Umgebung haben die Chance, den Patienten zu
sensibilisieren und weitere allergische Reaktionen auslösen
zu können.
Wird die Erkrankung vererbt?
Nach heutigem Wissensstand wird die Anlage, eine atopische
Dermatitis zu entwickeln, vererbt. Dies heißt aber nicht,
dass das Tier auch daran erkranken wird!
Erst wenn Umweltfaktoren dazukommen, die die Entwicklung
der Erkrankung fördern, kommt es zur Erkrankung.
Zu derartigen Faktoren zählen beispielsweise
Haltungsbedingungen, Futterzusammensetzung,
Hausstaubmilben in der Umgebung, Tabakrauch, evtl. auch
Umweltverschmutzung, andere Erkrankungen wie Flöhe/Flohbefall,
Ektoparasiten wie Sarcoptesmilben, Darmparasiten etc. etc.
Was ist IgE und was bedeutet ein erhöhter IgE-Spiegel im
Blut?>
IgE ist ein Teil des sogenannten humoralen Immunsystems.
Es wird von einer bestimmten Untergruppe der weißen Blutkörperchen,
den B-Lymphozyten, produziert.
Seine Produktion wird von einer Vielzahl von Faktoren
beeinflusst. Es existiert auch nicht nur eine Art des IgE
beim Hund, sondern verschiedene Untertypen.
Die Höhe des Gesamt-IgE-Spiegels ist genetisch festgelegt
und unterliegt einer großen Schwankungsbreite.
Zu einer vermehrten Produktion von IgE können v.a.
Parasiten (im Darmbereich, auf der Haut etc.) führen,
ebenso Bakterien, Hefepilze etc.
Dieses IgE ist unspezifisch, dürfte also im Bluttest, wo
allergenspezifisches IgE gemessen wird, strenggenommen
nicht mitreagieren. Leider tut es dies aber bei starkem
„IgE-Überschuß“ trotzdem, kann also falsch-positive
Ergebnisse vortäuschen.
Die Bildung von spezifischem IgE, also IgE, welches gegen
spezielle (Einzel-)Allergene gerichtet ist, besagt
lediglich, dass der Organismus sich vorher irgendwann
einmal mit dem Allergen auseinandergesetzt hat.
Die Menge an spezifischem IgE allein erlaubt aber nicht zu
unterscheiden, ob ein Patient (Tier oder Mensch) Atopiker
ist oder nicht. Auch völlig gesunde Tiere können erhöhte
IgE-Spiegel aufweisen (s. weiter unten).
Welche Tiere erkranken häufiger an AD?
Je nach Untersuchungsort und lokalem Genpool (USA,
Skandinavien, England, Frankreich, Deutschland etc.)
variieren die Rassen, die als besonders häufig betroffen
genannt werden.
Generell scheinen aber Terrierrassen (v.a. Yorkshire,
Westhighland White, Cairn, Jack Russel), Dalmatiner,
Boxer, DSH, Labrador, Golden Retriever, englische
Bulldogge, englischer Setter und Shar-Pei zu den besonders
prädestinierten Rassen zu gehören.

Für Katzen gibt es keine bekannten Rassenprädispositionen.
Es gibt eine deutliche Altersprädisposition: Die
allermeisten Tiere sind zwischen 1 und 3 Jahren alt, wenn
sie erste Symptome entwickeln.
Der Beginn einer atopischen Dermatitis etwa im Welpenalter
oder bei einem mittelalten oder älteren Hund ist sehr
unwahrscheinlich!!
Welche Symptome sind typisch?
Die AD hat als erstes Zeichen Juckreiz OHNE Hautveränderungen
(bestenfalls mit Hautrötung), daher wurden erkrankte
Tiere bis vor etwa 20 Jahren auch mitunter mit der
Diagnose „Pruritus sine materia“ (Juckreiz ohne
Grund“) als psychisch erkrankt mit entsprechenden
Medikamenten behandelt.

Der Juckreiz hat ein typisches Verteilungsmuster, er
betrifft v.a. Gesicht (Augen, Kinn, Lefzen), Ohren und
Pfoten (Zwischenzehenbereich und Pfotenunterseite), auch
Achseln, Bauchbereich, Innenschenkelbereich und
Beugestellen (Ellenbeugen, Sprunggelenksbeuge).
Manche Tiere lecken auch im Analbereich. Der Rücken ist,
wenn überhaupt, erst zuletzt betroffen.
Sehr schnell folgen dann Entzündungen mit Bakterien
und/oder Hefepilzen mit ihren typischen Symptomen
(Pusteln, Krusten, Haarverlust ...), vermehrte
Schuppenbildung und schließlich chronische Hautveränderungen
mit Haarlosigkeit, Verdickung und Schwarzfärbung der
Haut, ranzigem Geruch etc.
Auch chronische oder chronisch-wiederkehrende Ohrentzündungen
oder Pfotenentzündungen werden häufig festgestellt.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Die Diagnose wird nicht mit Haut- oder Bluttest, sondern
klinisch gestellt: Der Hauttierarzt nimmt eine ausführliche
Vorgeschichte auf, untersucht den Patienten, schließt
andere Ursachen für Juckreiz und Hautprobleme (vor allem
Ektoparasiten!) aus, berücksichtigt auch Alter und Rasse
des Patienten.
Wenn die Diagnose dann „atopische Dermatitis“ lautet,
werden spezifische Tests veranlasst, um die Allergieauslöser
(Allergene) zu identifizieren.

Positive Ergebnisse in den genannten Tests müssen mit den
Symptomen des Patienten vereinbar sein.
Auch gesunde Tiere können beispielsweise eine positive
Reaktion auf Hausstaubmilben im Allergietest zeigen, wenn
sie im Haus gehalten werden und somit ständig mit den
Milben in Kontakt kommen.
Zeigt der Hund Juckreiz nur im Sommer und nur, wenn er
draußen ist oder von draußen kommt, ist dies auch mit
einem positiven Testergebnis sicherlich nicht mit einer
„Hausstaubmilbenallergie“ zu erklären!
Behandlung der atopischen
Dermatitis
Die erfolgreiche Behandlung der atopischen Dermatitis (AD)
stellt eine besondere Herausforderung für den Tierhalter
und den Tierarzt dar. Jeder Fall ist anders, Behandlungspläne
müssen in aller Regel individuell erstellt werden. Dazu
sind gute Kenntnisse über diese Erkrankung unabdingbar.
In der Mehrzahl der Fälle ist es erforderlich,
verschiedene Behandlungen miteinander zu verbinden. Heute
stehen uns mehrere Behandlungsstrategien zur Verfügung,
davon sind einige neu. Anpassungen an den Verlauf der
Erkrankung und eine enge, vertrauensvolle Zusammenarbeit
zwischen Tierhalter und Tierarzt sind weitere
Grundvoraussetzungen für den Erfolg.
Das primäre Ziel bei der Behandlung der AD ist die
Minderung des intensiven, meist chronischen Juckreizes,
welcher die Hauptbeschwerde bei dieser Erkrankung
darstellt.
Die AD ist eine multifaktorielle Erkrankung. Aeroallergene,
v.a. von Hausstaubmilben, seltener von Blütenpollen,
werden beim Hund als Primärfaktoren bei der Entstehung
der AD angesehen. Sie gelangen über die Luft auf die Haut
und werden dort nach dem Durchdringen der
Epidermalbarriere von sog. Antigen-präsentierenden Zellen
erkannt und an Entzündungszellen weitergereicht. Daneben
können Nahrungsmittelallergene, eine Vermehrung von
Bakterien und Malassezien (Hefepilze) – beide gehören
zur normalen Hautflora - auf der Haut, Schwitzen,
Feuchtigkeit auf der Haut, Wärmebelastungen, trockene
Haut, Defekte der epidermalen Barrierefunktion sowie
psychogene Faktoren wie Nervosität, Stress oder
Langeweile zur Entwicklung und klinischen Manifestation
der Erkrankung beitragen (Fig. 1).
Derartige Faktoren werden aggravierende Faktoren genannt.
Sie kommen sekundär wie auch unabhängig zur AD vor,
senken die Juckreizschwelle in unterschiedlichem Maße und
sollten in der Regel als erstes behandelt werden. Wenn
beispielsweise eine bakterielle Überbesiedlung der Haut
diagnostiziert wird, sollte man zuerst eine
antibakterielle Therapie und, falls angezeigt und gewünscht,
erst danach eine Desensibilisierung durchführen. Ein
schrittweises Ausschalten der aggravierenden Faktoren trägt
dazu bei, deren individuelle Bedeutung als Ursache des
Juckreizes zu erkennen.

Fig.1: Nicht-parasitärer Juckreiz beim Hund:
Viele „aggravierende Faktoren“ tragen in
unterschiedlichem Maße zur Schwere der klinischen
Symptome der AD bei (Mühlrad-Schwelleneffekt).
Für eine erfolgreiche Behandlung der AD stehen folgende
Behandlungsverfahren zur Verfügung:
(1) Behandlung aggravierender Faktoren
a) Überbesiedlung bzw. Infektion der Haut
durch Bakterien oder Malassezien
b) Defekte in der Hornschicht der Epidermis
(trockene Haut/ defekte Barrierefunktion)
c) Psychogene Faktoren
wie Stress, Ängstlichkeit oder Langeweile
(2) Vermeidung/ Verminderung spezifischer Allergene
(Aeroallergene, aber auch Futtermittelallergene)
(3) spezifische Immuntherapie (Desensibilisierung)
(4) anti-inflammatorische / symptomatische Therapie des
Pruritus
a) orale Behandlung
b) örtliche Behandlung
Die Behandlung bei übermäßiger Proliferation der
normalen Hautflora erfolgt mit antimikrobiellen
Wirkstoffen (Antibiotika, pilzwirksame Mittel). Zusätzlich
zur oralen Behandlung sollten Shampoos, Leave-ons
(Verwendung von wasserlöslichen Cremes nach dem
Shampoonieren), Puder (für Falten der Haut und den
Zwischenzehenraum) eingesetzt werden, um den
antimikrobiellen Effekt zu verstärken und das
Behandlungsziel rascher und nachhaltiger zu erreichen
(z.B. mit Chlorhexidin-Shampoos oder –Puder).
Zur Therapie trockener Haut und der defekten
Barrierefunktion der Epidermis eignen sich ungesättigte
Fettsäuren (oral verabreicht) sowie Feuchtigkeitsspender
und Emollientien zur örtlichen Anwendung. Neuerdings
steht ein hochentwickeltes medizinisches Shampoo mit
positiven Effekten auf die Barrierefunktion der Epidermis
zur Verfügung (Allermyl Shampoo, s.u.).
Psychogene Faktoren wie Stress, Ängstlichkeit oder
Langeweile tragen zur klinischen Erkrankung der AD bei.
Verhaltenstherapie, viel Bewegung, Übungen, Agility
training, Spielzeug, ein neuer Spielgefährte oder andere
Abwechslungen erlauben in solchen Fällen, die Schwelle,
bei der Juckreiz durch Mehrfachbelastungen ausgelöst
wird, anzuheben.
Die vollständige Vermeidung von Allergenen aus der
Umgebung ist selten möglich. Zur Reduktion von
Hausstaubmilben können praktische Maßnahmen wie häufiges
Lüften der Räume, Herabsetzen der Raumtemperatur,
Ersetzen von Teppichböden durch nicht textile Bodenbeläge,
Ersatz oder Bezug über Kissen oder Decke im Körbchen
usw. beitragen.
Die spezifische Immuntherapie (Desensibilisierung) erfolgt
durch wiederholte Injektionen mit zunehmenden Dosen durch
einen Intrakutantest oder einen Bluttest ermittelte
Immunogene. Als Faustregel gilt: 1/3 der Patienten kann
geheilt werden, 1/3 der Patienten muss regelmäßig einmal
oder mehrmals im Jahr weiter behandelt werden, und 1/3 der
Patienten spricht nicht auf die Therapie an.
Die Resultate hängen ab von der Qualität des
spezifischen Allergens, seinem Nachweis durch einen
Intrakutan- oder einen serologischen Test, die Auswahl und
die Qualität der Hyposensibilisierungslösung,
gleichzeitig vorliegenden aggravierenden Faktoren, der
Menge spezifischer Allergene in der Umgebung usw.
Zur symptomatischen Behandlung von Entzündung und
Juckreiz stehen u.a. die folgenden Wirksubstanzen zur Verfügung.
a. Glukokortikoide (Kortison)
Langzeitbehandlung möglichst vermeiden.
Oral: nach Möglichkeit Kurzzeitkortikoide (Prednison/Prednisolon),
zunächst täglich, dann jeden 2. oder 3. Tag, eine
wirksame Minimaldosierung kann entsprechend der Wirkung
ermittelt werden (Reduktion von Nebenwirkungen).
Örtlich: Creams, Lösungen oder Sprays, zuerst
hochwirksame, danach schwachwirksame Wirkstoffe 1-2x tgl.,
evtl. auch jeden 2. oder 3. Tag.
Einsparung von Kortison in einigen Fällen möglich durch
gleichzeitige Shampootherapie sowie orale Behandlung mit
ungesättigten Fettsäuren und/oder Antihistaminika.
b. Antihistaminika
Oral: generell nur in bis zu 30% aller Fälle wirksam.
Wichtig: zuerst muss eine eventuell vorliegende Überbesiedlung
der Epidermis mit Bakterien oder Hefepilzen behandelt
werden.
Beste Wirkung bei Cetirizin (eigenen Erfahrungen).
Verhindert Wanderung von Entzündungszellen vom Blut in
die Epidermis.
c. Cyclosporin
Oral: Neu, in der Schweiz bereits zugelassen. Sehr gute
Erfolge bei der Behandlung der AD des Hundes (übrigens
auch des Menschen). Unerwünschte Nebenwirkungen in
Einzelfällen: Magen-Darm-Störungen (Erbrechen,
Durchfall), selten Schwellungen des Zahnfleischs mit örtlichen
Blutungen und Wucherungen (reversibel), Lahmheiten. Im
Gegensatz zum Menschen beim Hund keine Nieren- oder
Lebertoxizität beobachtet. Bei gleichzeitiger
Verabreichung bestimmter anderer Medikamente erhöhte
Blutspiegel von beiden Substanzen. Bei großen Hunden kann
damit evtl. ein Einsparungseffekt (Kostenreduktion)
erzielt werden.
d. Hafermehl Shampoos
Örtlich: juckreizmindernd, feuchtigkeitsspendend und entzündungshemmend.
e. Shampoos mit Mono- und Oligosacchariden
Örtlich: v.a. L-Rhamnose, immunsuppressiv, anti-adhäsive
Wirkung bei Bakterien und Malassezien gegenüber
Keratinozyten (Allermyl Shampoo von Allerderm/Virbac),
beruhigend, juckreizmindernd.
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Welche
Autoimmunerkrankungen sind wichtig?
Gegen welche Strukturen richten sie sich?
Autoimmunerkrankungen, die die Haut betreffen, können
entweder nur die Haut/Schleimhäute oder aber andere Haut
und andere Organsysteme betreffen, je nach Zielstruktur.
Die häufigsten Autoimmunerkrankungen beim Hund sind
Pemphigus foliaceus (PF) , Diskoider Lupus Erythematosus (DLE)
und Pempigus erythematosus (PE), seltener Bullöses
Pemphigoid, Pemphigus vulgaris und Systemischer Lupus
Erythematosus. Bei Katzen kommt fast ausschließlich der
Pemphigus foliaceus vor.
Große Unterschiede zwischen diesen Erkrankungen machen
die unterschiedlichen Zielstrukturen der aggressiven
Reaktionen des Organismus. Sie bestimmen natürlich das
Ausmaß und den Schweregrad der Symptome und die Art der
Therapie.
Beim Pemphigus sind die Reaktionen des Körpers gegen die
Verbindungsstrukturen zwischen Zellen der Haut gerichtet:
Bei der mit Abstand häufigsten Form, dem Pemphigus
foliaceus, gegen die Zellen in der Epidermis, die viel
Desmoglein I enthalten und sich daher besonders im Bereich
von Nase, Nasenrücken, Augenumgebung, Ohren und Pfoten
befinden, beim Pemphigus erythematosus gegen Desmoglein
III-reiche Zellen, also den Bereich von
Haut-Schleimhaut-Übergängen (Nase, Augen, Lefzen, After,
Scheide, Präputium).
Das Bullöse Pemphigoid und der Pemphigus vulgaris richten
die Reaktionen deutlich tiefer gegen die Zellverbindungen
im Bereich der Basalmembran, also dem Übergang zwischen
der Epidermis und der Dermis, dementsprechend gravierender
sind die Hautveränderungen, die diese beiden Erkrankungen
entweder im Bereich der Haut und/oder der Schleimhäute
anrichten.
Die Lupus-Erkrankungen attackieren dagegen nicht
Zellverbindungen, sondern Zellkerne. Gegen diese werden
Antikörper gebildet („antinukleäre Antikörper“,
ANA), die im Blut messbar sind.
Die gutartige Variante DLE attackiert nur Zellen einiger
spezieller Lokalisationen in der Haut, nämlich im Bereich
des Nasenspiegels/Nasenrückens, seltener im Bereich der
Augenlider.
Bei der systemischen Variante SLE attackiert der Körper
hingegen Zellen verschiedenster Organsysteme (gesamte
Haut, Gelenke, Nieren, Lunge, verschiedenste Blutzellen
...), so dass die Symptome entsprechend vielfältig und
gravierend sind und die Erkrankung unbehandelt schnell zum
Tode führen kann.
Beim SLE sind die Antinukleären Antikörper im Blut fast
immer deutlich positiv, beim DLE nicht.
Bei Pemphigus-Erkrankungen, bei denen ja keine Zellkerne
attackiert werden, sind die ANA – falls sie bestimmt
werden – in der Regel negativ.
Welche Symptome zeigen die wichtigsten Erkrankungen?
Der Pemphigus foliaceus beginnt mit Pusteln, die nach der
Zerstörung von Zellverbindungen untereinander innerhalb
der Epidermis bilden. Sie platzen aber wegen der sehr
dünnen Epidermis bei Hund und Katze sehr schnell, so dass
meist nur noch die aus ihnen entstehenden Krusten sichtbar
sind. Diese können sehr zahlreich und dick sein.
Beim Hund sieht man sie vorwiegend im Bereich des
Nasenrückens, um den Nasenspiegel, um die Augen und innen
und außen an den Ohrmuscheln, evtl. später auch am
ganzen Körper. Der Juckreiz ist unterschiedlich stark,
kann auch fehlen. Oft verhornen die Ballen gleichzeitig
übermäßig, und die Krallen wachsen plötzlich viel
schneller als zuvor.
Tiere aller Altersgruppen und Rassen können betroffen
sein.
Katzen zeigen ähnliche Veränderungen wie Hunde. Typisch
sind bei ihnen Krallenbettentzündungen (sonst bei Katzen
sehr viel seltener als bei Hunden!) einer oder mehrerer
Krallen, mitunter mit typischem käsigem Exsudat.
Auch krustöse Veränderungen um die Zitzen sieht man bei
Katzen mit PF oft. Allgemeinstörungen und Fieber sind bei
erkrankten Katzen häufig.
Beim DLE und beim PE sind die ersten Symptome meist ein
Pigmentverlust im Bereich des Nasenspiegels, oft seitlich
im Bereich des Nasenflügels oder auch an der
Nasenscheidewand (seltener der Lider). Dieser kann sich
auch wieder spontan bessern oder über einige Zeit
unverändert bleiben und sich dann plötzlich
verschlimmern.
Parallel tritt am Nasenspiegel ein Verlust der nasalen
Architektur auf, d.h., die vorher pflastersteinartige
Oberfläche wird glatt. Schnell kommt es dann zur
Ausbildung von Krusten und teilweise sehr unangenehmen
Blutungen, die durch Niesen und Kopfschütteln des Hundes
noch verstärkt werden.
Auch Sekundärinfektionen des derart veränderten Gewebes
sind häufig. Das Allgemeinbefinden ist meist nicht
deutlich gestört. Die Erkrankung wird durch UV-Licht
verschlimmert, ist also bei den meisten Hunden in der
wärmeren Jahreszeit besonders schlimm.
Welche Tiere sind betroffen?
Für den PF gibt es keine echten Rassenprädispositionen.
DLE und PE betreffen besonders oft DSH, einige britische
Hütehunde (Collies, Bearded Collies, Border Collies,
Shelties), Australian Shepherds und Siberian Huskies.
Generell sind Tiere mit schwach pigmentierter
Haut/Schleimhaut und „langen Nasen“ anscheinend
anfälliger.
Wie wird die Erkrankung nachgewiesen?
Bei entsprechendem Verdacht sollten Gewebeproben entnommen
und von einem erfahrenen Dermato-Histopathologen für
Tiere untersucht werden. Weil diese Autoimmunerkrankungen
häufig sekundär infiziert sind und dann die
Entzündungszellen die eigentlichen krankheitstypischen
Veränderungen überdecken können, empfehlen die meisten
Histopathologen eine Behandlung mit hautwirksamen
Antibiotika über mindestens 3-4 Wochen, bevor die
Gewebeproben entnommen werden, um wirklich optimale
Ergebnisse zu erhalten.
Beim PF können auch Pusteln eröffnet und zytologisch
untersucht werden. die beteiligten Zellen sind oft schon
charakteristisch, so dass eine Gewebeprobe eventuell
unterbleiben kann.
Wie wird behandelt?
Der PF wird normalerweise mit Medikamenten, die die
Überreaktion des Organismus unterdrücken, behandelt,
also mit cortisonpräparaten in höherer dosierung, meist
kombiniert mit anderen Medikamenten wie Azathioprin (beim
Hund) oder chlorambucil (bei der Katze). Diese Medikamente
werden so schnell wie möglich so weit reduziert, wie es
der Krankheitsverlauf erlaubt, und falls möglich auch
abgesetzt.
Entsprechende Kontrolluntersuchungen des Blutes (v.a.
Blutbild und Leberwerte) werden anfangs alle 2-4 Wochen,
später seltener durchgeführt.
Für den PE und den DLE gibt es Alternativen, die
ebenfalls auf das Immunsystem wirken und dessen
Überreaktionen bremsen. Gebräuchlich ist die
Tablettenbehandlung mit Tetracyclin oder Doxycyclin plus
Nicotinamid, die meist sehr gute Erfolge zeigen.
Kombiniert wird diese mit örtlich angewendeter
Cortisoncreme oder – relativ neu – mit
Tacrolismus-Creme (Protopic), die ähnlich gut wie
Cortison wirkt, ohne dessen Nebenwirkungen. Die Behandlung
ist fast immer eine Dauerbehandlung.
Unerlässlich ist eine Vermeidung starker
Sonneneinstrahlung! Diese depigmentierten Hautbezirke
liegen an den „Sonnenterrassen“ des Körpers, wo die
UV-Strahlen fast senkrecht einfallen und kein
entsprechender Schutz durch Pigmentierung mehr vorhanden
ist. DLE und PE werden durch UV-Strahlen verschlimmert,
und das Risiko späterer Schäden an diesen Stellen ist
groß (gefürchtet sind v.a. die hochbösartigen
Plattenepithelkarzinome)!
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Was sind Cheyletiellen?
Cheyletiella-Milben sind ansteckende Milben, die
verschiedene Tierarten befallen können, denn sie sind
wenig wirtsspezifisch: Empfänglich sind Hunde, Katzen und
Kleinsäuger (v.a. Kaninchen).
Sie sind Zoonoseerreger, können also Menschen anstecken
(etwa jede 4.-5. Kontaktperson). Diese zeigen dann kleine,
rote, juckende Stellen an Kontaktstellen mit dem Tier
(Arme, Beine, Bauch, Brustbereich etc.). Diese werden oft
als Mückenstiche, Neurodermitis, psychogene Dermatitis
etc. fehldiagnostiziert.
Da Menschen Fehlwirte sind, entwickeln sich die Milben
nicht weiter, die Veränderungen klingen also nach wenigen
Tagen ab. Solange aber weiter Milben übertragen werden,
treten auch immer neue Hautveränderungen auf.

Wie werden Cheyletiellen übertragen?
Cheyletiellen werden entweder durch direkten Kontakt (hochkontagiös!)
oder die Umgebung übertragen. Dabei können sie bis zu 21
Tage in der Umgebung ansteckungsfähig bleiben. Weiterhin
wird eine indirekte Übertragung über Flöhe, Fliegen und
Läuse diskutiert.
Lebensraum und Entwicklung der Milben
Cheyletiellen leben sehr oberflächlich auf der Haut, die
sie zur Aufnahme von Gewebsflüssigkeit durchbohren. Die
weiblichen Milben legen Eier, die an die Haare des
Wirtstiers angeheftet werden und aus denen sich über
Larven- und Nymphenstadium wieder adulte Tiere entwickeln.
Der gesamte Entwicklungszyklus dauert 5 - 6 Wochen und
läuft komplett auf dem Wirtstier ab.


Ei (an Haar angeheftet) -> Larve
-> Nymphe -> erwachsene Milbe

Milbe mit 2 Eiern
Wie sieht die Cheyletiellose aus?
Typisch für die Cheyletiellose bei Hund und Katze sind
leichter bis hochgradiger Juckreiz und Schuppenbildung im
Bereich von Rücken, Schultern und der Außenseite der
Ohrmuscheln. Im Gegensatz zur Sarcoptesräude bleiben
Bauch und Beine normalerweise ausgespart.
Auch bei Cheyletiellose kann sich der Juckreiz nachts und
in warmer Umgebung verstärken.
Asymptomatische Carrier (Milbenüberträger, die selbst
nicht erkranken) sind bei Cheyletiellen häufig und
erklären die weite Verbreitung dieser Milben.
Oft ergeben sich Hinweise für eine Ansteckung des Tieres
nach Besuch von Ausstellungen, Hundeplatz,
Welpenspielstunde, Hundefriseur, Tierpension, Zukauf eines
Kanichens etc., dabei auch nach einem möglichen Kontakt
mit einem asymptomatischen Carrier.
Auch nicht sichtbar erkrankte Katzen und Kaninchen im
Haushalt sind als Ansteckungsquelle für die übrigen
Familienmitglieder nicht zu unterschätzen.
Wie werden die Milben nachgewiesen?
Cheyletiellen sind oft erheblich leichter als
Sarcoptesmilben und in großer Zahl nachzuweisen.
Gebräuchlich sind die mikroskopische Untersuchung von
Hautgeschabseln, Klebebandabklatschen, ausgekämmtem
Material oder ausgezupften Haaren. Auch der Nachweis
abgeschluckter Milben oder Milbeneier im Kot ist (v. a.
bei Katzen) möglich.

Schwerer Befall
Mitunter gelingt auch ihr Direktnachweis auf dem Tier
mittels einer starken Lupe.

Bei manchen Rassen lediglich
Veränderung der Fellqualität (schlechte Unterwolle)
Wie werden Cheyletiellen behandelt?
Die Behandlung der Cheyletiellose wird nach den gleichen
Prinzipien wie die der Sarcoptesräude durchgeführt (s.
dort). Wichtig ist, die Behandlung des betroffenen Tieres
und der Kontakttiere sowie der Umgebung konsequent und
lange genug durchzuführen.
Da Cheyletiellen einen ungewöhnlich langen
Entwicklungszyklus haben (ca. 6 Wochen im Gegensatz zu
etwa 3 Wochen bei den meisten anderen Milbenarten), sollte
die Behandlung mindestens über diesen Zeitraum hinweg
erfolgen!!
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Welche
Formen des Cushing-Syndroms (Cushing-Erkrankung,
Hyperadrenokortizismus) gibt es?
Ursachen für die erhöhte Menge des produzierten körpereigenen
Cortisols können entweder die Hypophyse (Hirnanhangsdrüse)
oder die Nebennierenrinden sein. Stellt die Hypophyse als
„Steuerungszentrale“ den „Sollwert“ für die zu
produzierende Cortisolmenge zu hoch ein, kommt es zu einer
Vergrößerung beider Nebennierenrinden, die so viel
Cortisol produzieren, wie ihnen möglich ist.
Dieses sogenannte hypophysäre Cushing-Syndrom ist beim
Hund mit etwa 90% die häufigste Ursache einer
Cushing-Erkrankung und wird meist durch einen (gutartigen)
Tumor dieses Organs hervorgerufen. Viel seltener sind die
Nebennierenrinden selbst die Ursache – meist infolge
eines Tumors einer der beiden Nebennieren, der sich auch
der Kontrolle durch die Hypophyse entzieht und so viel
Cortisol produziert, wie er kann.
Welche Hautsymptome sind typisch?
Als Konsequenzen der erhöhten Cortisolbildung für die
Haut ergeben sich v.a. eine Verlangsamung des
Haarwachstums bis zu Haarausfall und kahle Stellen oder
insgesamt schütteres Fell, Farbveränderungen (schwarz
-> rotbraun, braun -> blond), dünne, faltige Haut,
Seborrhöen, Komedonen (`Mitesser`), Verkalkungen, verzögerte
Wundheilung, durch die dünne (Bauch-)Haut durchscheinende
Blutgefäße, schnelle Bildung von Blutergüssen, Neigung
zu bakteriellen Hautentzündungen, Pilzinfektionen,
Demodikose, Dekubitus (Druckgeschwüre).
Welche anderen Symptome sind zu erwarten?
Konsequenzen für den Gesamtorganismus sind v.a.
• Muskelabbau, Fettaufbau („Stammfettsucht“)
• Diabetes mellitus („Steroiddiabetes“)
• Osteoporose, Osteomalazie, -> Frakturen, Bänderrisse,
Patellaluxation
• verzögerte/schwache Hitze bzw. Hodenatrophie
• Atemprobleme, Hecheln, evtl. Verkalkungen der Lunge,
Bronchopneumonie, Thrombosegefahr (Embolien)
• Verhaltensänderungen, neurologische Veränderungen
(auch Sehstörungen, Krämpfe)
• Augenveränderungen, auch Hornhautulzera
Wie wird ein Cushing-Syndrom diagnostiziert?
Die Diagnose wird gestellt über die Kombination von
Rasse, Alter, Vorbericht, klinisches Bild (symmetrischer
Haarverlust „klassisch“, Regel: Kopf und Beine meist
nicht betroffen), und spezifische Blut- oder
Urinuntersuchungen, evtl. zusätzlich Röntgen,
Ultraschall und CT, die den entsprechenden Verdacht bestätigen
und gleichzeitig die Ursache (Hypophyse oder
Nebennierenrinde) ermitteln.
Warum soll diese Erkrankung so früh wie möglich
behandelt werden?
Da Cortisol Einfluß auf jede einzelne Zelle des Körpers
hat, betreffen die Auswirkungen einer Cushing-Erkrankung
den gesamten Organismus. Jede Cushing-Erkrankung ist
potentiell lebensbedrohlich - plötzliche Todesfälle können
alleine durch die erhöhte Thrombosegefahr jederzeit
auftreten!! Deshalb sollte jeder Cushing-Patient möglichst
frühzeitig und konsequent behandelt werden.
Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?
Die Therapie richtet sich nach der Ursache: die
chirurgische Entfernung ist bei Nebennierenrindentumoren
die Methode der Wahl, wenn auch nicht immer durchführbar,
da das veränderte Organ sehr ungünstig in unmittelbarer
Nachbarschaft der großen Bauchgefäße (Vena cava und
Bauchaorta) liegen und auch mit diesen verwachsen sein
kann.
Die chirurgische Entfernung eines Hypophysentumors ist
meist problematisch. Oft sind derartige Tumore beim Hund
nur stecknadelkopfgroß, und die Hypophyse liegt im
Bereich der Schädelbasis und ist chirurgisch schwer zugänglich.
Die Entfernung der gesamten Hypophyse oder deren
Bestrahlung werden an speziellen Kliniken gelegentlich
durchgeführt.
Gebräuchlicher ist aber die medikamentelle Therapie, die
entweder darauf abzielt, die cortisolproduzierenden Zellen
der Nebennierenrinden medikamentell zu zerstören oder die
Produktion von Cortisol über eine Hemmung eines
speziellen, hierzu erforderlichen Enzyms zu blockieren.
Beides ändert nichts daran, dass der Hypophysentumor
weiterhin bestehen bleibt und unverändert einen erhöhten
Sollwert für Cortisol vorgibt, doch ist die Produktion
der `angeforderten` Menge nicht mehr möglich. Die
„klassische“ Therapie - die Zerstörung der
cortisolproduzierenden Nebennierenzellen – wird mit
o,p-DDD (Lysodren) in Tablettenform durchgeführt.
Seit wenigen Jahren wird zunehmend häufiger die deutlich
nebenwirkungs- und risikoärmere und oft erfolgreichere
Therapie mit Trilostane eingesetzt. Diese Substanz hemmt
ein Enzym, das der Körper zur Cortisolherstellung benötigt,
so dass deutlich weniger Cortisol produziert wird.
Jede Behandlung eines Cushing-Patienten bedarf regelmäßiger
Kontrollen der Menge des noch produzierten Cortisols sowie
einer sorgfältigen Überwachung: Sinkt der
Cortisolspiegel zu plötzlich und zu stark ab, kann als
Nebenwirkung eine sogenannte Addisonkrise auftreten, bei
der es u.a. zu Herzrhythmusstörungen und – falls nicht
rechtzeitig erkannt und entsprechend behandelt – es zum
Tod des Patienten kommt.
Alle genannten medikamentellen Therapien eines hypophysären
Cushing-Syndroms sind Dauertherapien, da der eigentliche
Tumor nicht beeinflusst wird, sondern nur seine Folgen.
Was ist ein iatrogenes Cushing-Syndrom?
Beim iatrogenen Cushing-Syndrom zeigt der Körper die
Reaktionen wie oben beschrieben (`spontanes`
Cushing-Syndrom), produziert aber selbst keine erhöhten
Mengen an Cortisol, sondern reagiert auf ein Zuviel an von
außen zugeführtem Cortisol (in Form von Spritzen,
Tabletten, Salben etc.).
Die sogenannte Cortisontoleranz, d.h. die Menge, die ein
Organismus verträgt, ohne solche Nebenwirkungen zu
zeigen, ist individuell extrem unterschiedlich: Manche
Tiere vertragen problemlos Cortisongaben über Jahre, ohne
derartige Auswirkungen zu zeigen, andere reagieren bereits
nach einmaliger Cortisongaben mit klinischen Symptomen.
Da der Organismus selbst weniger oder gar kein Cortisol
mehr selbst produziert, wenn es ständig von außen zugeführt
wird, bilden sich im Laufe der Zeit die Nebennierenrinden
zurück und produzieren praktisch kein Cortisol mehr. In
solchen Fällen darf eine Cortisolverabreichung nicht
abrupt beendet werden, sondern muss schrittweise reduziert
und `ausgeschlichen` werden, damit es nicht zu der gefürchteten
Addison-Krise kommt.
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Mehr
als nur eine Erkrankung?
Die Demodikose ist eine parasitäre Hauterkrankung, der
eine exzessive Vermehrung von Demodexmilben zugrunde
liegt. Demodexmilben gehören zur normalen Hautfauna
behaarter Säugetiere und des Menschen. Sie kommen
artspezifisch in meist jeweils zwei bis drei Unterarten
vor. Unbehaarte Meeressäuger wie Seehunde, Wale oder
Delphine weisen keine eigenen Demodexmilben auf.
Der Lebensraum von Demodex canis, der wichtigsten
Demodexmilbe des Hundes, sind vor allem die Haarfollikel
(= Haarbälge, deshalb auch die Bezeichnung
„Haarbalgmilbe“) sowie Talg- und apokrine Schweißdrüsen.
Die Pathogenese der Erkrankung ist sehr komplex. Beim
Menschen konnte mittlerweile eine Beziehung zwischen dem
Vorliegen bzw. Nichtvorliegen bestimmter
Leukozytenantigene (human leucoyte antigenes, sog.
Histokompatibilitätsantigene) und einer Erkrankung an
Demodikose nachgewiesen werden. Beim Hund fehlen bisher
entsprechende Untersuchungsergebnisse.
Bei der hereditären (erblichen) generalisierten
Demodikose des Hundes vermutet man seit einigen Jahren
einen spezifischen, ausschließlich auf die Kontrolle der
Demodexmilben beschränkten und nicht näher
spezifizierten Defekt von T-Lymphozyten und erklärt damit
auch die Prädisposition für diese Erkrankung bei
bestimmten Rassen und das familiär gehäufte Auftreten.

Demodexmilben
Welche Hautveränderungen sind bei Demodikose durch
Demodex canis typisch?
Durch eine übermäßige Vermehrung dieser Milbe in den
Haarfollikeln (wo die Haare gebildet werden), kommt es zu
haarlosen Hautbezirken. Häufig weisen diese Hautbezirke
eine Rötung der Haut (Erythem) und Schuppenbildung auf.
Die betroffenen Stellen sind scharf begrenzt oder weisen
diffuse Ränder auf. In vielen Fällen kommt es zu
bakteriellen Sekundärinfektionen mit Pustel- und
Krustenbildung sowie unterschiedlich starkem Juckreiz.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Die Diagnose einer Demodikose aufgrund von Demodex
canis wird in aller Regel über eine mikroskopische
Untersuchung von tiefen Hautgeschabseln gestellt. Diese
Geschabsel werden mittels einer Skalpellklinge gewonnen,
auf welche zum besseren Halt des zu gewinnenden Materials
zunächst ein Tropfen Paraffinöl aufgetragen wird.
Unmittelbar nach der Entnahme wird das Material auf
Objektträger verbracht, mit Deckgläschen abgedeckt und
bei 100facher Vergrößerung mikroskopisch untersucht.
Bei manchen Rassen, z.B. dem Shar-Pei, und bei bestimmten
Lokalisationen der Hautveränderungen, z.B. an den Pfoten,
sowie bei entzündungsbedingt chronisch verdickter Haut
kann der Milbennachweis durch Geschabsel trotz korrekter
Entnahmetechnik falsch-negativ ausfallen. In solchen Fällen
sollten bei Verdacht auf Demodikose Hautbiopsien
(Gewebeproben) entnommen und auf Demodexmilben untersucht
werden.
Eine weitere nur im positiven Fall beweisende
diagnostische Methode stellt die mikroskopische
Untersuchung ausgezupfter Haare dar, an deren Wurzeln häufig
Demodexmilben oder deren Eier nachweisbar sind.
Im Gegensatz zur Sarkoptesräude ist der mikroskopische
Nachweis einer einzelnen toten Demodexmilbe nicht
ausreichend für die Diagnose „Demodikose“. Hierfür
sind mehrere lebende Milben, am besten mit Jugendstadien,
erforderlich.
Wie wird behandelt?
Bei allen Formen der Demodikose ist eine Behandlung mit
Kortisonpräparaten wegen deren negativer Wirkung auf die
Immunabwehr in jeder Anwendungsform kontraindiziert. Falls
bereits eine Kortisonbehandlung erfolgte, müssen die Präparate
umgehend abgesetzt werden. Sie dürfen bei Tieren mit
hereditärer generalisierter Demodikose auch nach
erfolgreicher Behandlung nur noch nach strenger
Indikationsstellung sowie sorgfältiger Abwägung von
Risiko und Nutzen angewandt werden.
Die Beseitigung der Demodexmilben erfolgt mit akariziden
Mitteln, lokal vorzugsweise als Bäder oder Waschungen,
und systemisch durch orale Verabreichung oder Spot on Präparate.
Falls eine bakterielle Sekundärinfektion vorliegt, werden
Antibiotika, welche sich als „hautwirksam“ erwiesen
haben, in Tablettenform und antibakterielle Shampoos
eingesetzt. Zur besseren örtlichen Behandlung sollte bei
langhaarigen Hunden und tiefen, fistelnden Veränderungen
das Haarkleid nach Möglichkeit geschoren werden. Eine
Sedierung des Patienten erleichtert das Ausscheren,
insbesondere bei schmerzhaften Hautveränderungen.
Warum ist die korrekte Einordnung in die verschiedenen
Formen der Demodikose, vor allem in „lokalisierte“
oder „generalisierte Demodikose“ wichtig?
Therapie und Prognose sind bei den verschiedenen Formen
der Demodikose sehr unterschiedlich. Damit ist eine
korrekte Diagnose unerlässlich. Der Befund „Demodikose“
allein genügt nicht!
Unter Berücksichtigung von Ursachen, Lokalisation und dem
klinischen Bild lässt sich eine klinisch-pathologische
Einteilung in sieben verschiedene Demodikose-Erkrankungen
vornehmen.
Welche Formen der Demodikose gibt es?
1. Lokalisierte, spontane Demodikose (Demodex canis)
Hunde aller Rassen können an dieser Form der Demodikose
erkranken. Die betroffenen Tiere sind meist im
jugendlichen oder `pubertierenden` Alter. Sie zeigen
einige wenige (normalerweise ein bis fünf) haararme bis
haarlose Hautveränderungen, zunächst ohne Juckreiz,
evtl. mit Rötung der Haut oder auch Schuppenbildung. Bei
bakterieller Sekundärinfektion kann Pruritus (Juckreiz)
dazu kommen. Die Stellen werden besonders häufig an Kopf
und Hals, aber auch an Gliedmaßen und Rumpf beobachtet.
Die Erkrankung wird nicht selten rein zufällig entdeckt
und leicht übersehen, vor allem bei langhaarigen Hunden.
Die lokalisierte Demodikose des jungen Hundes führt zu
einer Spontanheilungsrate von über 90%. Sie ist nach
heutigem Wissensstand nicht erblich! Bei dieser Form der
Demodikose ist kein Zuchtausschluss erforderlich.
Es wird empfohlen, auf ein akarizides Mittel zur
Behandlung der Demodexmilben zu verzichten. Die
Spontanheilung ohne Einsatz akarizider Mittel sichert die
Feststellung, dass es sich nicht um eine generalisierte
erbliche Form handelt.
Bakteriell infizierte Hautbezirke können dagegen mit
einem antibakteriellen Mittel wie beispielsweise
Benzoylperoxid-Gel oder Shampoo behandelt werden. Durch örtliche
Anwendungen und die damit verbundene mechanische Reibung können
solche Haare, welche Wurzelbereich bereits geschädigt
sind und später sowieso ausgefallen wären, gleich
verloren gehen und ein Fortschreiten der Erkrankung vortäuschen.
Falls gleichzeitig ein Befall mit Darmparasiten (v.a.
Verwurmung) vorliegt und möglicherweise die Immunabwehr
des Patienten beeinträchtigt, sollte dieser behandelt
werden.
Regelmäßige Kontrollgeschabsel zur Überwachung des
Krankheitsverlaufs werden alle 2-3 Wochen dringend
empfohlen. Falls die Erkrankung in eine generalisierte
Form übergehen sollte, kann so umgehend eine akarizide
Therapie eingeleitet werden.

Lokalisiserte, spontane Demodikose (Demodex canis),
hier haarlose Stelle unter dem Auge.
2. Lokalisierte, iatrogene Demodikose (Demodex canis)
Unabhängig vom Lebensalter und der Rasse kann eine
lokalisierte Demodikose durch eine örtliche
Immunsuppression ausgelöst werden, beispielsweise durch
die Injektion eines Depot-Kortisonpräparates oder von
Depot-Gestagenen (zur Läufigkeitsverhütung) unter die
Haut oder durch die lokale Anwendung von Kortisonsalben
oder -cremes.
Normalerweise ist nur eine einzelne Hautstelle betroffen,
oft im Bereich der seitlichen Brustwand oder Flanke, wo
eine subkutane Injektion erfolgte. Bei kurzhaarigen Hunden
sind die Veränderungen offensichtlich, bei langhaarigen
Hunden werden sie möglicherweise übersehen, da das
gesunde Haar sie abdecken kann.
Wie bei der spontanen Form ist auch diese Erkrankung durch
Veränderungen mit Haarverlust, Rötung der Haut, Pustel-
und Krustenbildung und eventueller bakterieller
Beteiligung mit oder ohne Juckreiz gekennzeichnet. Außerdem
erscheint die Haut oft pergamentartig und durch einen
Kortison-bedingten Abbau von Kollagen in der Cutis extrem
dünn.
Die Veränderungen können hartnäckig sein. Sie können
lange Zeit (bis über einem Jahr) bestehen bleiben, bevor
sie nach Abklingen der (Depot-)wirkung des verursachenden
Präparates dann meist ohne weitere Behandlung abheilen.
Zur Diagnose führen ein entsprechender Vorbericht,
mikroskopische Untersuchungen tiefer Hautgeschabsel auf
Demodexmilben und Untersuchungen auf Bakterien. Falls
keine stärkere Entzündung festgestellt wird, kann
einfach abgewartet werden, bis die Wirkung des Depot-Präparates
abgeklungen ist und sich die Haut wieder normalisiert. Bei
sekundärer bakterieller Infektion und zahlreichen
lebenden Milben im Hautgeschabsel wird dagegen mit einem
Akarizid und mit antibakteriellen Mitteln behandelt,
normalerweise täglich über mehrere Wochen.
Da das Abheilen der Veränderung v.a. nach Anwendung von
Depot-Präparaten viele Monate lang dauern kann, ziehen
manche Besitzer die chirurgische Entfernung des subkutan
liegenden Depotpräparates vor. Es stellt sich
normalerweise als flaches Scheibchen im Unterhautgewebe
dar und kann relativ einfach entfernt werden. Züchterische
Maßnahmen sind bei dieser Demodikoseform natürlich
ebenfalls nicht erforderlich.
3. Generalisierte, erbliche Demodikose (Demodex canis)
Diese Form tritt beim jungen Hund, je nach Rasse bis etwa
1,5 oder 2 Jahre auf. Bei diesen Patienten ohne erworbene
Immunsuppression geht man von dem bereits erwähnten
erblichen spezifischen Immundefekt (autosomal-rezessiv?)
und sekundärer Induktion einer unterschiedlich starken
zellvermittelten Immunsuppression aus. Der Verlauf der
Erkrankung hängt vom Schweregrad des Immundefekts und ob
und in welchem Maß eine sekundäre bakterielle Infektion
vorliegt und zu einer zusätzlichen sekundären
Immunsuppression geführt hat.
Für die generalisierte, erbliche Demodikose gelten u.a.
folgende Rassen als prädisponiert: Bobtail, Collie,
Afghane, DSH, Cocker, Dobermann, Dalmatiner, Deutsche
Dogge, Englische Bulldogge, Französische Bulldogge,
Bullterrier, Boston-Terrier, Dackel, Chihuahua, Boxer,
Mops, Shar-Pei, Beagle und Englischer Pointer.
Die Hautveränderungen äußern sich zunächst in fokaler
oder diffuser Alopezie (Haarverlust) mit Schuppenbildung
und Erythem (Rötung der Haut). Der Kopf, manchmal mit Veränderungen,
die einer „Brillenbildung“ ähneln, und die
Vorderbeine sind häufig als erstes betroffen. Eine
Generalisierung erfolgt meist sehr rasch. Bakterielle
Sekundärinfektionen treten regelmäßig auf und sind
entweder oberflächlich mit Papeln, Pusteln, häufig mit
Juckreiz oder tief mit Furunkeln, Zellulitis, Ödemen,
Fistelbildung und Schmerz. Auch die Bildung von Komedonen
(„Mitessern“) sowie Hyperkeratose (Verhornungsstörungen)
werden beobachtet. Nicht selten kommt es zu einer
generalisierten Lymphadenopathie (Schwellung aller Körperlymphknoten
im Einzugsbereich der Haut) sowie schweren Allgemeinstörungen
und Fieber. Durch Bakterientoxine und Entzündungsmediatoren
werden auch andere Organe geschädigt. Durch die Sepsis
(Blutvergiftung) kann es zum Tod des Patienten kommen.

Komedonenbildung
Manche Hunde, v.a. Terrier-Rassen, zeigen dagegen nur
multifokale hyperpigmentierte Hautbezirke bei ansonsten
normal erscheinendem Haarkleid.
Behandlung der generalisierten, erblichen Demodikose
Die Behandlung der generalisierten Demodikose ist
langwierig (mindestens 4-6 Monate) und bedarf einer
besonders intensiven Zusammenarbeit zwischen Tierarzt und
Tierhalter. Die meisten angeblich „resistenten Fälle“
sind in Wirklichkeit nicht konsequent mit ausreichender
Fachkompetenz behandelt worden.
Lokale Therapie
Amitraz ist in Deutschland unter dem Namen Ectodex ® zur
äußerlichen Therapie der Demodikose beim Hund
zugelassen. Es ist ein Akarizid, das als Hemmer der
Monoaminooxigenase (MAO) zu Paralyse und Tod von Demodex-
und anderen Milben führt, zusätzlich aber auch eine
Reihe von anderen Wirkungen z.B. auf den
Glucosestoffwechsel hat, also beispielsweise bei
diabetischen Patienten nicht angewendet werden sollte.
Patienten mit großflächigen offenen und tiefen Hautveränderungen
sollten wegen der Gefahr einer erhöhten Resorption mit
Amitraz nicht bzw. nicht großflächig behandelt werden.
Systemische Therapie
Moxidectin ist als spot-on-Formulierung (Advocate®)
gleichfalls zur Demodikosebehandlung zugelassen und wird
nach Empfehlung des Herstellers alle 4 Wochen appliziert
Neben den zugelassenen Therapien gibt es verschiedene sehr
gut wirksame Therapieprotokolle mit nicht für Kleintiere
zugelassenen oder nicht für die Indikation Demodikose
zugelassenen Wirkstoffen (meist makrozyklischen Laktone).
Ihre Anwendung darf nur bei strenger Indikationsstellung
unter tierärztlicher Kontrolle erfolgen.
Therapiedauer und -kontrolle
Bei allen genannten Therapien gelten
Kontrolluntersuchungen und –geschabsel im Abstand von
2-3 Wochen als unabdingbar für einen optimalen Erfolg..
Die Therapiedauer richtet sich nicht nach der äußerlich
sichtbaren Besserung der Hautveränderungen, sondern der
parasitologischen Kontrolle. Die Therapie sollte so lange
durchgeführt werden, bis zumindest zweimal im Abstand von
2-3 Wochen die Geschabsel negativ sind. Bei der
Verlaufskontrolle dienen die Gesamtzahl der Milben, der
Anteil der noch lebenden Milben und der der Jugendformen
als Beurteilungskriterien. Diese Kontrollgeschabsel
sollten immer von denselben Hautbezirken genommen werden
und, wenn möglich, immer eine Gliedmaße bzw. Pfote
miterfassen.

a) `gesunde` Haarbälge, rechts Talgdrüse
b) Demodex-Milben in den Haarbälgen
c) Haare sind im Bereich der Haarbälge zerstört, es
bildet sich ein kleiner Propf (Komedonenbildung),
bakterielle Überbesiedlung
d)Schwere, sekundäre bakterielle Infektion mit entzündlichen
Veränderungen auch des die Haarbälge umgebenden Gewebes
Wie sehen die Kontrolluntersuchungen aus?
Alle 2-4 Wochen werden die Patienten sorgfältig
untersucht und Hautgeschabsel entnommen (möglichst immer
vom gleichen Untersucher und immer an den gleichen
Hautbezirken!). Dabei werden die Gesamtzahl der Milben,
das Verhältnis lebende:tote Milben und das Verhältnis
erwachsene Milben:Jugendstadien insbesondere beurteilt.
Die klinische Besserung bzw. Heilung (in diesem Falle
Nachwachsen von Haaren) setzt schon ein, wenn in den
Hautgeschabsel noch Milben nachweisbar sind. Die
Behandlung dagegen wird so lange weitergeführt, bis
mindestens 2x die Hautgeschabseln negativ waren, sonst
sind Rückfälle vorprogrammiert!
Zuchtausschluss
Obwohl der Erbgang der hereditären generalisierten
Demodikose nicht geklärt ist, sollten Hunde mit dieser
Erkrankung sowie deren Elterntiere von der Zucht
ausgeschlossen werden. Hündinnen sollen kastriert werden,
zumal sich die Erkrankung unter dem Einfluss von Läufigkeit,
Pseudogravidität, Gravidität und Laktation verschlimmern
kann.
Prognose
Je nach Form der Demodikose: Hervorragend bei den
lokalisierten Formen, gut bis sehr vorsichtig bei den
generalisierten Formen (je nach Primärerkrankung). Bei
der hereditären generalisierten Demodikose können nach
adäquater Therapie bis zu 2 von 3 Hunden geheilt werden.
4. Generalisierte Demodikose aufgrund iatrogener oder
spontaner Immunsuppression / „Old dog demodicosis“ (Demodex
canis)
Das Auftreten einer generalisierten Demodikose muss auch
beim älteren Hund besonders ernst genommen werden. Hier
kann die Erkrankung beispielsweise durch Verabreichung
immunsuppressiv wirkender Medikamente (z. B.
Glukokortikoide, Zytostatika) ausgelöst werden.
Spontan tritt sie bei bösartigen Tumorerkrankungen (Lymphosarkom,
Hämangiosarkom, Mamma-Adenokarzinom), schweren
Stoffwechselstörungen (Diabetes mellitus oder
Cushing-Erkrankung) und einigen Lebererkrankungen auf.
In Einzelfällen kann die Demodikose äußerlicher
Anzeichen derartiger Erkrankungen bis zu 12 Monaten
vorauseilen, so dass entsprechende engmaschige
Untersuchungen des Patienten anzuraten sind.
5. Was ist eine Pododemodikose? (Demodex canis)
Bei allen entzündlichen Hautveränderungen im
Pfotenbereich (sog. Pododermatitis) muss
differentialdiagnostisch eine Erkrankung durch
Demodexmilben (Pododemodikose durch Demodex canis)
in Betracht gezogen und entsprechende mikroskopische
Untersuchungen durchgeführt. werden. Häufig sind die
Pfoten ödematös geschwollen und sehr schmerzhaft, dazu
kommen tiefe bakterielle Infektionen und wechselnde
Lahmheiten. Manchmal äußert sich die Erkrankung einfach
in „Füße-Lecken“ aufgrund des Juckreizes. Prädisponiert
sind Neufundländer, Bernhardiner, Deutsche Doggen,
Bobtails und andere große Rassen sowie Westhighland
White-Terrier.
Die Pododemodikose (Demodikose der Pfoten) kann entweder
als Relikt (Überbleibsel) einer früheren generalisierten
Demodikose oder als eigenständiges Problem ohne Veränderungen
am restlichen Körper auftreten.
Die Behandlung erfolgt entweder lokal oder systemisch wie
bei der generalisierten Demodikose geschildert.

Pododemodikose (Demodex canis)
6. Demodikose durch Demodex cornei
Demodex cornei ist eine beim Hund relativ neu
entdeckte Milbenart, über die allerdings noch wenig
bekannt ist, auch nicht, ob sie so wie Demodex canis
zur normalen Hautflora des Hundes gehört.
Sie ist kürzer und breiter als Demodex canis, lebt
deutlich oberflächlicher und wird manchmal zusammen mit Demodex
canis nachgewiesen. Eine Demodikose durch Demodex
cornei geht mit Rötungen der Haut, Schuppenbildung
und deutlichem Juckreiz einher. Für ihren Nachweis kann
auch ein sog. “Tesafilm-Abklatsch-Test” herangezogen
werden.

Bild links: Veränderungen der Qualität des Haarkleids
und Juckreiz durch Demodex cornei.
Bild rechts: Generalisierte Demodikose (Demodex canis)
7. Demodikose durch Demodex injai
Die Milbe Demodex injai ist länger als Demodex canis. Sie
scheint vor allem in den Talgdrüsen zu leben und wird im
Zusammenhang mit “fettiger” Haut v.a. bei
verschiedenen Terrierrassen gefunden. Die Erkrankung führt
zu schlechter Haarqualität mit schütterem Haar und
unterschiedlich starkem Juckreiz besonders auf dem Rücken.
Es ist unbekannt, ob es zu Übertragungen von befallenen
zu gesunden Hunden kommt.

Vor und nach erfolgreicher Behandlung
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versteht man unter EGK und FSA?
Der Eosinophile Granulom-Komplex setzt sich aus 3
Krankheitsbildern zusammen: Dem sogenannten eosinophilen
Plaque, dem eosinophilen Granulom und dem indolenten
Geschwür, die auch in Kombination miteinander und mit der
FSA auftreten können.
1. Eosinophile Plaques sind rote, haarlose und erhabene
Stellen, die sich –einzeln oder perlschnurartig
hintereinander- bevorzugt im Bereich von Bauch,
Innenschenkeln und Innen- oder Außenseite der
Hintergliedmaßen befinden, gelegentlich auch am Hals. Sie
sind nicht zu übersehen, weil sie stark jucken und von
der Katze ständig bearbeitet werden. Dementsprechend häufig
sind die dann durch Bakterien infiziert und zeigen
Krusten, verklebte Haare im Randbereich etc.
2. Eosinophile Granulome sehen aus wie kleine rote Tumore
und sind gut sicht- und fühlbar in einer Linie
angeordnet, die Haare bleiben oft darüber erhalten.
Bevorzugt treten sie an der Rückseite der Hintergliedmaßen
auf, oft sogar symmetrisch. Sie jucken meistens nicht und
werden dann zufällig beim Streicheln entdeckt. Am häufigsten
sind hiervon junge Katzen betroffen (6-12 Monate alt), und
die Veränderungen können auch spontan wieder abheilen.
3. Das indolente Geschwür befindet sich an der Oberlippe
im Bereich der Nasenmitte, kann auch bis zu den Eckzähnen
reichen. Auch die Mundhöhle, speziell der Gaumenbereich,
können mit betroffen sein. Das indolente Geschwür
beginnt meist unbemerkt mit einer Rötung, gefolgt von
Schwellung, Haarverlust und bräunlich-glänzender Oberfläche.
Trotz seines mitunter dramatischen Aussehens juckt es
nicht und ist auch nicht schmerzhaft.
Befinden sich entsprechende Veränderungen in der Mundhöhle,
speziell im Gaumenbereich, kann es zur Schädigung
kleinerer Blutgefäße und zu Blutungen aus dem Mund
kommen.

Bei der FSA leckt sich die Katze übermäßig die Haare
aus, bevorzugt im Bereich des Bauches, der Rückseite der
Vordergliedmaßen, der innen- und Rückseite der
Hintergliedmaßen und des Rückens (Faustregel: überall
da, wo man mit der Zunge bequem hinkommen kann, fehlen die
Haare, niemals am Kopf und im oberen Halsbereich). Etwa
90% der Katzen tun dies nicht vor den Augen des Besitzers,
sondern heimlich (draußen, in Abwesenheit des Besitzers,
in einem anderen Zimmer, unter dem Sofa etc.).

Die einzigartige Oberfläche der Katzenzunge führt dazu,
dass die Haare komplett fehlen, ohne dass die Hautoberfläche
die geringste Veränderung zeigt. Aus diesem Grund wurde
die Erkrankung auch früher als Hormonstörung angesehen,
da (beim Hund!) Haarausfall bei intakter Haut und ohne
Juckreiz als typisches Zeichen einer Hormonstörung gilt.
Die FSA ist aber in den allermeisten Fällen eine Reaktion
auf Juckreiz. Dessen Ursachen sind prinzipiell die
gleichen und die Abklärung die gleiche wie beim EGK.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Vorbericht, Alter und Lebensgewohnheiten der Katze liefern
erste Hinweise auf die Art der Erkrankung und mögliche
Auslöser. Eosinophiles Granulom und eosinophile Plaque
haben ein typisches aussehen und einen typischen
zytologischen Befund, können auch noch zusätzlich durch
Entnahme und untersuchung von Gewebeproben bestätigt
werden. Das indolente Geschwür sollte trotz des mitunter
„typischen“ Aussehens per Gewebeprobe bestätigt
werden, da es verschiedene Tumoren gibt, die ähnlich
aussehen können oder aich in dem veränderten Gewebe
entwickelt haben (dies gilt insbesondere für Veränderungen
im Bereich der Mundhöhle und für schon lange bestehende
Veränderungen).
Bei der FSA ist die Untersuchung von Gewebeproben nicht
ergiebig, da die Hautveränderungen fehlen und die Haare
weggeleckt wurden. Eine einfache Untersuchung liefert hier
die Diagnose: schaut man sich unter dem Mikroskop Haare
aus dem Randbereich der veränderten Stelle an, kann man
sehr leicht die geschädigten Haarspitzen sehen – die
Haare sind massiv traumatisiert, bei einer hormonellen Störung
hingegen sähen sie ganz normal aus.
Welche Ursachen gibt es?
Ursachen für den EGK und die FSA sind hauptsächlich
Parasiten, Allergien und Allergien auf Parasiten. Beim EGK
konnte eine erbliche Komponente (gehäuftes Auftreten in
bestimmten Katzenfamilien) nachgewiesen werden.
Bei der Suche nach der Ursache gibt es zahlreiche
Empfehlungen, die auf den Einzelfall abgestimmt werden müssen
(Einzeltier oder Mehr-Tier-Haushalt, Freigang oder nicht,
Kontakte zu anderen Tieren ...).
Wie kann man die Ursache finden?
Als erstes wird intensiv nach Parasiten gesucht. Begonnen
wird mit der Untersuchung auf Flöhe/Flohkot, da gerade
bei Katzen mit Freigang eine Flohallergie zu den häufigsten
Ursachen eines EGK gehört. Bei den Milben wird
insbesondere nach Cheyletiellen, Ohrmilben und evtl.
Notoedres-Milben gesucht.
Sind Parasiten nicht sicher auszuschließen, wird
eventuell diagnostisch auf sie behandelt – gerade
Katzen, die intensive Fellpflege betreiben, schlucken
Parasiten und deren Eier häufig mit ab, so dass sie nicht
mehr auf der Katze, sondern bestenfalls im Kot zu finden
sind.
Bei den allergischen Ursachen sind neben der Flohallergie
Allergien auf Bestandteile im Futter
(„Futterallergie“) oder auf Aeroallergene („Atopische
Dermatitis“) die häufigsten Auslöser dieser
Reaktionsmuster. Die Abklärung einer „Futterallergie“
durch entsprechende Futterumstellung kann gerade bei
Katzen, die Freilauf gewohnt sind, mitunter schwierig oder
unmöglich sein.
Wie wird behandelt?
Die gezielte Behandlung der Ursache und deren Vermeidung
ist zweifellos die beste Therapie (beispielsweise bei
einer Allergie auf Milchprodukte deren konsequente
Vermeidung), aber nicht immer möglich oder praktikabel.
Ist die Ursache eine Flohallergie oder eine allergische
Reaktion auf (ektopische) Ohrmilben, ist eine konsequente
vorbeugende Behandlung unbedingt erforderlich – in
dieses Programm sollten möglichst alle Kontakttiere mit
aufgenommen werden.
Die symptomatische Behandlung wird parallel oder im ungünstigen
Fall ausschließlich durchgeführt. Sie besteht aus der
Verabreichung entzündungshemmender, juckreizmindernder
und antiallergischer Medikamente (Corticoide entweder als
Tabletten, wenn nicht möglich als Spritzen,
Antihistaminika, evtl. auch Cyclosporin A oder in seltenen
Fällen Zytostatika).
Sind Sekundärinfektionen vorhanden, sollten natürlich
hautwirksame Antibiotika und evtl. auch örtliche
antibakteriell wirkende Präparate wie Chlorhexidinlösung
zur Anwendung kommen.
Extreme Fälle von indolenten Geschwüren werden mitunter
mit speziellen Lasern therapiert.
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Alopecia X
Kaum eine andere (Haut)-Erkrankung hat so viele Synonyme:
Seit ihrer ersten Beschreibung von ca. 15 Jahren nannte
man sie Pseudo-Cushing-Syndrom, Wachstumshormon-abhängige
Dermatose des erwachsenen Hundes, Kastrations-reaktive
Dermatose, Östrogen-reaktive Dermatose, Testosteron-abhängige
Dermatose, Biopsie-abhängige Dermatose, Störung der
adrenal-produzierten Sexualhormone, kongenitales
Nebennierenrinden-Hyperplasie-ähnliches Syndrom,
Lysodren-abhängige Dermatose, follikuläre Dysplasie der
nordischen Rassen, follikuläre Dysplasie des Sibirean
Husky etc. etc.
Der heutige Ausdruck „Alopecia X“ spiegelt schlicht
wider, dass man über die Ätiologie und Pathogenese noch
immer sehr wenig weiß.
Bis vor kurzem zählte man die Alopecia X aufgrund der
klinischen Symptome und der vermuteten Pathogenese (Störung
der adrenal produzierten Sexualhormone) zu den
sexualhormonabhängigen Dermatosen, dies wird derzeit
wieder diskutiert.
Ursache:
Völlig unklar („Alopecia X“), möglicherweise ein
Enzymdefekt in der Steroidgenese der Nebennierenrinde,
ausgehend vom Cholesterol, bei dem es zur Anhäufung von
Cortisol-Vorstufen und/oder Vorstufen von Sexualhormonen
kommt.
Andere glauben an Veränderungen im Bereich der
Hormonrezeptoren der Haarfollikel, wieder andere halten
all diese Patienten für subklinische Cushing-Patienten
(auch wenn sie über Jahre hinweg nicht klinisch manifest
werden...).
Prädispositionen:
„plüschfellige“ Rassen, v.a. Sibirean Husky,
Malamute, Samojede, Keeshond, American Eskimo Dog, Finnish
Spitz, Pomeranian, Chow-Chow – und Zwergpudel
Alter: meist jung-adulte Tiere (Beginn meist mit
1-3 Jahren), aber in jedem Alter möglich
Keine Geschlechtsprädisposition (beide Geschlechter,
kastriert und unkastriert)
Klinisches Bild:
Schleichender progressiver Verlust zunächst der Primär-,
später der Sekundärhaare („Welpenfell“) bis hin zur
Alopezie (nicht-entzündlich, nicht pruriginös), geringe
Neigung zu Sekundärinfektionen.
Charakteristisches Verteilungsmuster:
Haut-/Fellveränderungen und Alopezie v.a. zirkulär am
Hals, kaudal von Schultern, dorso-lateraler Rücken, Rute,
Perineum, Kaudalfläche der Hintergliedmaßen, später
evtl. generalisierte Alopezie im Rumpfbereich, Kopf und
Gliedmaßen bleiben unverändert.
Hyperpigmentierung der haarlosen Bezirke mit
unterschiedlich starker Seborrhoe, evtl. Verringerung der
Hautdicke dort (v.a. bei Pomeranian und nicht-nordischen
Rassen)
Veränderung der Fellqualität: die einzelnen Haare sind
trocken, spröde und glanzlos, brechen leicht, zeigen
evtl. Farbveränderungen (Ausbleichen)
Typisch:
Nachwachsen der Haare an Stellen mit Traumatisierung
(Biopsie, Verletzung), aber nicht nach Scheren! Keine
Allgemeinstörungen (<-> Cushing!)
Diagnose:
Rasse, Alter, klinisches Bild, Ausschluß von
Differentialdiagnosen (v.a. Hyperadrenokortizismus!!),
evtl. Histopathologie ( „Flame follicles“; benötigt
multiple Proben und sehr erfahrenen Dermatohistopathologen,
sonst wird evtl. nur „endokrine Imbalanz“
diagnostiziert)
Evtl. hilfreich: ACTH-Stimulationstest (Bestimmung von
Cortisol plus 17-OH-Progesteron), C/C-Messungen im Urin (Cave:
Zwergpudel und Pomeranians haben höhere C/C-Werte als
andere Rassen!)
Therapie:
Im Hinblick auf die Gesundheit der Tiere unnötig, da rein
kosmetischer Defekt!
Falls Therapie dennoch erfolgen soll:
- Zuerst Kastration (vorübergehende
Wirkung für maximal 2-3 Jahre)
- Melatonin (hilft in ca. 50%
der Fälle) 3-6 mg/Hund 2-3x täglich
- Eventuell lokale Anwendung von
Minoxidil (unter tierärztlicher Kontrolle!)
Ebenfalls wurden Mitotane (Lysodren®) in niedriger
Dosis, Methyltestosteron (bei kastrierten Tieren),
porcines STH und Trilostan (Vetoryl®) mit mehr oder
weniger gutem Erfolg eingesetzt, neuerdings werden
auch die intramuskuläre bzw. subkutane Injektion der
sehr teuren Anti-Gonadotrop wirkenden Präparate
Leuprolid (Lupron®) oder Goserelin (Zoladex®)
diskutiert.
Letztgenannte Mittel können nicht unerhebliche
Nebenwirkungen hervorrufen.
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Welche
Flöhe gibt es?
Weltweit sind etwa 2.000 Floharten bekannt, von denen fünf
bei Hund und Katze von Bedeutung sind: Ctenocephalides
felis („Katzenfloh“) ist trotz seines irreführenden
Namens weltweit der mit Abstand häufigste und
wichtigste Floh bei Hund, Katze, Kaninchen, Frettchen
und Waschbär. Er ist sehr wenig wirtsspezifisch, kann
also praktisch alle Säugetiere befallen, und breitet
sich mit zunehmendem Tourismus stetig weiter aus.
Auch Ctenocephalides canis („Hundefloh“),
Echidnophaga gallinacea („Geflügelfloh“) und
Archeopsylla erinacei („Igelfloh“) sind wenig
wirtsspezifisch und parasitieren neben ihren bevorzugten
Wirten andere Säugetiere und den Menschen. Pulex
irritans, der „Menschenfloh“, ist in Westeuropa
selten geworden. Er kann von seinem bevorzugten Wirt,
dem Menschen, auch auf Haustiere übertragen werden.
Müssen Flöhe bekämpft werden?
Flöhe gelten vor allem als „Lästlinge“ und Ursache
für mehr oder weniger starken Juckreiz bei Tier und
Mensch. Allergische Reaktionen auf Flöhe (Flohallergie,
FAD) stellen die häufigste Allergie bei Hund und Katze
dar. Als Allergieauslöser konnten bislang etwa 15
Inhaltsstoffe des Flohspeichels identifiziert werden.
Darüber hinaus kann eine Flohallergie zusätzlich die
Entwicklung weiterer Allergie(n) wie atopische
Dermatitis (Allergie gegen Aeroallergene wie
beispielsweise Pollen, Hausstaubmilben etc.) und/oder
„Futterallergie“ begünstigen und auch zusammen mit
diesen auftreten.
Vergessen wird oft, daß ein massiver Flohbefall gerade
bei Welpen und geschwächten, kleinen Tieren einen
ernstzunehmenden Blutverlust und demzufolge eine massive
Anämie (Blutarmut) hervorrufen kann.
Tritt bei diesen Tieren zusätzlich noch ein Befall mit
blutsaugenden Darmparasiten auf, kann dies sogar zum
Tode führen.
Auch als Krankheitsüberträger werden Flöhe nicht
selten unterschätzt: Neben dem Bandwurm Dipylidium
caninum, für den der Katzenfloh Zwischenwirt ist, können
Flöhe auch andere Erreger wie Rickettsien (z.B. die
Erreger der Beulenpest), vermutlich auch Milben und
manche Virusarten übertragen.
Was passiert bei einem Flohstich?
Beim Blutsaugen bringt der Floh gleichzeitig
Flohspeichel in den Körper seines „Opfers“, der
verhindern soll, daß das Blut gerinnt. Die Reaktion auf
diesen Flohstich ist individuell verschieden: Manche
Tiere, bevorzugt solche, die zeitlebens mit Flöhen ständig
konfrontiert wurden, entwickeln eine Unempfindlichkeit
oder sogar Toleranz gegenüber dem Floh, reagieren also
mit wenig oder gar keinem Juckreiz (am ehesten bei
Katzen mit Freilauf zu beobachten).
Andere reagieren auf den Flohbefall und die daraus
resultierenden Flohstiche mit Juckreiz, der meistens
ruckartig auftritt und v.a. den Rumpf, weniger den Kopf,
die Ohren und die Gliedmaßen betrifft und sich dadurch
oft schon von anderen juckenden Hauterkrankungen wie
Allergien abgrenzen läßt.
Reagiert der Patient allergisch auf Eiweißstoffe im
Flohspeichel, tritt nach dem Flohstich hochgradiger
Juckreiz auf. Die Flohallergie kann entweder als
Allergie vom Soforttyp, also binnen 30 Minuten nach dem
Flohstich, auftreten, oder mit Verzögerung nach Stunden
bis 2 Tagen.
Dem Flohstich folgt als erste Reaktion entweder eine
juckende Quaddel oder Papel, später dann – mit
bedingt durch Kratzen, Knabbern, Scheuern etc. eine
bakterielle Entzündung mit Pusteln und Rötungen,
Haarverlust und bei chronischer Flohallergie schließlich
Verdickung und Schwarzverfärbung der Haut
(„Elefantenhaut“), verstärkte Schuppenbildung etc..
Wie sieht eine Flohallergie aus?
Wann tritt sie auf?
Das Verteilungsmuster der Flohallergie ist beim Hund
absolut charakteristisch: Betroffen ist grob gesagt nur
die hintere Körperhälfte: Die genannten Veränderungen
befinden sich v.a. im Bereich von Kruppe, Schwanzansatz
und der Hinterseite der Hinterbeine. Brust, Bauch,
Vorderbeine, Hals und Kopf sind normalerweise nicht
betroffen.
Als Sonderform einer Flohallergie kann auch eine
sogenannte akute pyotraumatische Dermatitis oder „Hot
spot“ auftreten (innerhalb weniger Stunden
entstehende, scharf begrenzte, nässende und hochgradig
juckende Hautveränderungen, bei Flohallergie als
Ursache bevorzugt im Bereich von Rückenende und
Kruppe).
Im Gegensatz zu anderen Allergien, v.a. der atopischen
Dermatitis, gibt es für die Flohallergie kein typisches
Alter, in der sie erstmals auftritt. Allerdings beginnen
bei Hunden im Alter zwischen 3 und 5 Jahren die Symptome
einer Flohallergie besonders häufig, die bei der
atopischen Dermatitis dagegen bereits mit 1-3 Jahren.
Da bei Patienten mit FAD bereits ein einziger Flohstich
genügt, um eine allergische Reaktion mit allen
Konsequenzen auszulösen, sollte dieser natürlich so
gut wie irgend möglich vermieden werden, was gerade bei
Haushalten mit mehreren Tieren eine echte
Herausforderung sein kann.

Wie werden Flohbefall und Flohallergie
diagnostiziert?
Eher selten kann man Flöhe mit bloßem Auge auf dem
Tier herumlaufen oder vom Tier herunterspringen sehen.
Scheitelt man die Haare und untersucht den Patienten auf
Flöhe und/oder Flohkot im Fell, wird man oft im Bereich
des Rückens oder im Innenschenkelbereich „fündig“.
Verfügt man über ein starkes Vergrößerungsglas mit
Licht, kann man ggf. auch den Flohkot im Fell
nachweisen.
In den meisten Fällen erfolgt der Flohnachweis mittels
Flohkamm (s. dort).
Gerade bei Tieren mit Flohallergie, die extremen
Juckreiz haben, können Flöhe sehr schwierig
nachzuweisen sein. In diesem Fall hilft es, einen
Intrakutantest (Hauttest) mit Flohallergen durchzuführen:
Hierbei werden ein kleiner Hautbereich (ca. 1 x 3 cm)
seitlich am Brustkorb ausgeschoren und mit einer feinen
Nadel jeweils Positiv- und Negativkontrolllösungen und
Flohallergen in die Haut injiziert.
Die Reaktion wird nach 15-30 Minuten, nach 4-6, nach 24
und 48 Stunden abgelesen, da es die beschriebenen
verschiedenen allergischen Reaktionen gibt.
Die Blutuntersuchung auf Flohallergie ist für die
Diagnostik nur für die IgE-abhängigen Allergien vom
Soforttyp (etwa 30% der Patienten) geeignet. Ein
negativer Blutallergietest schließt also genauso wie
ein negativer Hauttest, dieser nach 15-30 Minuten, das
Vorliegen einer Flohallergie aus!
Wie entwickelt sich Ctenocephalides felis?
Der weibliche adulte (erwachsene) Floh beginnt nach dem
Blutsaugen schnell mit der Eiablage auf seinem
Wirtstier. Pro Tag kann ein einziges Flohweibchen bis zu
50 Eier legen – eine beträchtliche Menge, für deren
Produktion natürlich dementsprechend viel Blut des
Wirtstieres benötigt wird.
Die meisten Eier fallen durch Bewegung, Schütteln etc.
zu Boden, da sie nicht an die Haare angeheftet werden.
Sie finden sich vorwiegend im Bereich von Schlafplätzen
sowie nahe an Bett, Sofa etc., auf die das befallene
Tier gerne springt.
Unter „normalen“ Haushaltsbedingungen schlüpfen aus
etwa 70% der Eier nach 1-6 Tagen Flohlarven, die sich später
noch 2x häuten. Diese Larven sind weiß, etwa 2 mm groß
und beweglich. Sie kriechen bis zu 15 cm vom Ort ihres
Schlupfes fort und suchen möglichst dunkle Plätze tief
in Teppich, Polstermöbeln oder unter Möbelstücken auf
(und müssen natürlich auch dort behandelt werden).
Gegenüber Austrocknen und UV-Strahlung sind sie verhältnismäßig
empfindlich. Außerhalb des Hauses können sie an
feuchten, schattigen Plätzen (unter Büschen, Gestrüpp
o.ä.) in den oberen 2 Millimetern des Bodens überleben.
Flohlarven ernähren sich bevorzugt vom Kot erwachsener
Flöhe und Eiresten - ein Effekt, den moderne Wirkstoffe
nutzen -, aber auch Kannibalismus ist möglich. Larve 3
schließlich spinnt einen lockeren Kokon, in dem die
Verpuppung stattfindet.
Das Puppenstadium ist ausgesprochen widerstandsfähig
gegenüber äußeren Einflüssen wie beispielsweise
Austrocknen und Staubsaugen, aber auch Flohbekämpfungsmitteln.
Staub, Schmutz etc. aus der Umgebung haften sehr gut an
seiner klebrigen Oberfläche und liefern so neben einer
ausgezeichneten Tarnung zusätzlichen Schutz.
Der Schlupf der erwachsenen Flöhe erfolgt unter
„normalen“ Haushaltsbedingungen nach etwa 3-5
Wochen, bei niedriger Temperatur und Luftfeuchtigkeit
erst nach Monaten bis zu 1 Jahr. Ausgelöst wird der
Schlupf über Erschütterungen des Bodens und möglicherweise
auch über Geruchsreize in der Umgebung.
So erklärt sich, daß in längere Zeit leerstehenden
Wohnungen oder Gebäuden eine regelrechte
„Flohinvasion“ auf das erste erreichbare Wirtstier
bzw. den erstbesten Menschen einsetzen kann. Die
„hungrigen“ frischgeschlüpften adulten Flöhe sind
besonders wenig wählerisch in der Auswahl eines Wirtes,
befallen also verhältnismäßig häufig Menschen.
Sobald sie ihre erste Blutmahlzeit eingenommen haben, müssen
sie täglich Blut saugen, da es sonst zu einer
Selbstverdauung ihres Darms kommt.
Die erwachsenen Flöhe bewegen sich wieder zum Licht
hin, erklimmen also beispielsweise die Teppichfasern und
warten an deren Oberfläche auf ein Wirtstier.
Der gesamte Entwicklungszyklus dauert in Abhängigkeit
von Umgebungstemperatur und Luftfeuchtigkeit 3 Wochen
bis 1 Jahr. Optimal sind für alle Stadien etwa 30°C Wärme
und 80% rel. Luftfeuchtigkeit. Direkte UV-Strahlung, Nässe,
Frost und Trockenheit sind dagegen ungünstig.
Ein Überleben in der kalten Jahreszeit ist in unseren
Breiten für alle Flohstadien nur im Haus, in Hausnähe
und am Tier möglich. Als Reservoir für Flöhe dienen
neben der häuslichen Umgebung auch v.a. sandige,
schattige und eher feuchte Plätze unter Sträuchern, Büschen
etc. sowie wildlebende Tiere, v.a. Marder, weniger Eichhörnchen
und Kaninchen.
Welche Grundsätze sind bei der Flohbekämpfung zu
beachten?
Eine erfolgreiche Flohbekämpfung erfolgt immer auf 2
Ebenen: die erwachsenen parasitären Flöhe auf dem bzw.
den Tieren (lediglich ca. 5% der Gesamtpopulation), auf
den empfänglichen Kontakttieren und, soweit vorhanden,
in der Umgebung müssen abgetötet und die nicht-parasitären
Jugendstadien in der Umgebung abgetötet bzw. in der
Weiterentwicklung gehemmt werden. Für diesen Zweck
steht mittlerweile ein ganzes Arsenal möglicher
Wirkstoffe zur Verfügung.
Es gibt hier kein „Patentrezept“ - für jeden
Patienten muß ein individuelles Flohbehandlungsprogramm
zusammengestellt werden. Wichtig sind die Auswahl eines
geeigneten Wirkstoffs und einer geeigneten Formulierung.
Alle empfänglichen Kontakttiere müssen, auch wenn sie
keine Symptome zeigen, regelmäßig mitbehandelt werden.
Von wenigen Ausnahmen abgesehen, kann auf die Behandlung
der Umgebung nicht verzichtet werden. Hier sollten v.a.
die Jugendstadien mit geeigneten Mitteln bekämpft
werden. Werden Chitinsynthesehemmer verwendet, müssen
alle Tiere desselben Haushalts konsequent behandelt
werden, damit die erwünschte Wirkung eintreten kann.
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Was ist eine
„Futterallergie“?
„Futterallergien“ gehören zu den sogenannten „adversen
Reaktionen auf Futterbestandteile“ oder „Futterunverträglichkeiten.
Unter einer „Futterallergie“ versteht man eine
immunologisch bedingte Reaktion (der Haut oder seltener
anderer Organe), die durch die Aufnahme von Futter oder
Futterzusatzstoffen hervorgerufen und evtl. unterhalten
wird.
Äußerlich nicht von ihr zu unterscheiden sind die
nicht-immunologisch bedingten Futterunverträglichkeiten
wie pharmakologische Reaktionen auf Futterinhaltsstoffe
wie beispielsweise vasoaktive Amine („Histamintoxikose“),
Toxine (z.B. bei „Lebensmittelvergiftungen“) etc.
ebenso wie die individuelle Futtermittelintoleranz.
Im Gegensatz zu den echten allergischen Reaktionen auf
Futterbestandteile bedürfen die nicht-allergischen
keiner vorherigen Sensibilisierungsphase, können also
schon beim Erstkontakt mit der auslösenden Substanz
auftreten.
Wie häufig ist die „Futterallergie“?
Die „Futterallergie“ stellt bei Hunden nach
Flohallergie und Atopie die dritthäufigste Allergie
dar, bei Katzen nach Flohallergie angeblich die zweithäufigste.
Die Zahlenangaben über die Häufigkeit dieser Allergie
in der Literatur variieren stark (8-25%), als Faustregel
gilt aber, dass die Atopie beim Hund etwa 10mal häufiger
vorkommt als die „Futterallergie“.
Welche Allergieauslöser gibt es?
Die meisten Allergene bei Hunden und Katzen sind nach
heutigem Wissensstand Eiweiße oder Eiweißverbindungen
(Glykoproteine) mit einem Molekulargewicht von
mindestens 10.000 Daltons, Hitze-, Säure- und
Protease-stabil, die mit der Nahrung aufgenommen werden.
Prinzipiell kann jedes Eiweiß im Futter bei einem Tier
zu allergischen Reaktionen führen. Je häufiger es aber
aufgenommen wird, desto größer ist die
Wahrscheinlichkeit einer Sensibilisierung und einer
irgendwann (oft erst nach Jahren!) auftretenden
allergischen Reaktion.
Nach umfangreichen Studien sind die häufigsten
Allergieauslöser beim Hund Milch und Milchprodukte,
Rind, Eier und Weizen, gefolgt von Huhn, Lamm, Soja und
Mais. Fisch, Reis und Schwein waren eher seltene
Allergieauslöser. Bei Katzen lösten in mehr als 80%
der Fälle Rind, Milchprodukte und Fisch die
allergischen Reaktionen aus.
Leider sind diese häufigen Allergieauslöser in
praktisch allen kommerziellen Fertigfuttern in
unterschiedlichen Mengen enthalten, oft nur schwer
erkennbar z.B. als „tierische Nebenerzeugnisse“
deklariert.
Eine Umstellung von einem kommerziellem Futter auf ein
anderes ist demnach für die Diagnose einer
„Futterallergie“ nicht geeignet.
Was sind „versteckte Allergene“?
„Versteckte Allergene“ werden meist unterschätzt, können
aber große zusätzliche Probleme bereiten: Pflanzenöle,
die viele Tierbesitzer gerne dem Trockenfutter beifügen,
können beispielsweise Mais- oder Sojaöl enthalten,
gerade bei Hunden nicht seltene Allergene (s.o.).
Milchproteine können nicht ohne weiteres erkennbar
beispielsweise in Thunfisch in Dosen, in Hot dogs oder
als Milchanteile wie Kasein, Kaseinat, Molke oder
Laktose im Futter enthalten sein.
In der „Sauce“ mancher kommerzieller Dosenfutter,
aber auch in den speziell bei kleinen Hunden oder Katzen
sehr beliebten „Babygläschen mit Fleisch“ sind
nicht selten Weizenproteine enthalten. Und – last not
least – sind in verschiedenen populären Leckereien für
Hunde und Katzen mit Weizen, Soja, „Fleisch“ (nicht
spezifiziert), Milch, Mais und Gerste enthalten. Selbst
manche Arzneimittel sind aromatisiert oder mit
Bindemittel behandelt, das aus Stearin von Schwein, Rind
oder Lamm stammt und damit bei allergischen Tieren
entsprechende Reaktionen auslösen kann.
Gibt es Rassen- oder Altersprädispositionen?
Im Gegensatz zu atopischer Dermatitis und Flohallergie
kann die „Futterallergie“ in jedem Alter – vom
Welpen bis zum alten Hund- beginnen.
Auch ein gehäuftes Auftreten bei bestimmten Rassen
konnte nicht belegt werden.
Wann treten allergische Reaktionen auf?
Bei der „Futterallergie“ kommt es zu allergischen
Sofort- und Spätreaktionen vom Typ I, II, III und IV
nach Coombs und Gell, möglicherweise auch in
Kombination miteinander.
Dies bedeutet, dass bei einigen Tieren Symptome infolge
einer allergischen Sofortreaktion binnen 30 Minuten bis
einige Stunden auftreten können. Der Großteil der
Allergiker reagiert aber erst Tage, mitunter sogar
Wochen nach der Allergenaufnahme, was natürlich die
Zuordnung des Auslösers erheblich erschwert.
Welche Symptome sind zu erwarten?
Häufig sind Hautsymptome, die im Gegensatz zu
atopischer Dermatitis und Flohallergie kein typisches
Verteilungsmuster haben:
Häufig ist Juckreiz, der keine saisonalen Schwankungen
zeigt, mit ähnlicher Verteilung wie bei der atopischen
Dermatitis (v.a. Gesicht, Ohren, Pfoten, Achseln,
Innenschenkel, Bauch). Auch generalisierter Juckreiz
ohne erkennbar stärker betroffene Bereiche (v.a. bei
Jungtieren) ist möglich, weiterhin Juckreiz im Bereich
von Rückenende und Rutenansatz wie bei der Flohallergie
oder Symptome wie bei der Sarcoptesräude (Ellenbogen
und Gliedmaßen, Bauch und Ohrmuscheln, v.a. beim
Labrador) verteilt. Auch Sonderformen wie rezidivierende
„Hot spots“, akrale pruriginöse Nodula („Leckgranulome“)
oder chronische Ohrentzündungen oder Pfotenentzündungen
sind mögliche Symptome einer „Futterallergie“.
Ein weiterer häufiger Manifestationsort ist der
Magen-Darm-Bereich. Hier sind mögliche Symptome
Erbrechen, Durchfall, Blähungen, kolikartige
Bauchschmerzen, überlaute Darmgeräusche, ungeformter
Kot etc. Häufig wird als erstes Symptom eine auffallend
hohe Zahl täglicher Kotentleerungen bemerkt.
In seltenen Fällen kommt es nach Allergenaufnahme zu
allergische Sofortreaktionen wie Schwellung des
Gesichtes, Lidödem oder Urticaria. Extrem selten sind
epileptiforme Anfälle und asthmaähnliche Symptome.
Bei Katzen mit „Futterallergie“ beschränkt sich der
Juckreiz häufig auf Gesicht, Ohren und Nacken, wo sich
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